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Textilien und Nachhaltigkeit
Artikel mit freundlicher Genehmigung von VG Kulkarni, Global Director, Technology & Business Development, Fibers für Americhem.
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Steigerung der Nachhaltigkeit bei Textilien
Eine Erde, acht Milliarden Menschen und es werden immer mehr – für kommende Generationen! NACHHALTIGKEIT! Sie kommt jedem zugute und jeder hat seinen Anteil daran. Textilien sind ebenso wie Wasser, Nahrung und Obdach ein Grundbedürfnis der Menschheit. Nachhaltigkeit im Textilbereich ist vielfältig, und in jeder Phase des Lebenszyklus textiler Materialien bieten sich Chancen. Um eine maximale Wirkung zu erzielen, ist ein umfassender Ansatz erforderlich, der alle Aspekte von Textilien von der Herkunft über die Herstellung bis hin zur Nutzung und Nachsorge berücksichtigt. Wie begegnen wir dieser Herausforderung?
Textilien bestehen heute aus einer Vielzahl von Materialien – natürlichen und synthetischen – wie Baumwolle, Wolle, Seide, Polyester, Nylon, Viskose und anderen. Jede Faser verleiht Textilien ihre einzigartigen Eigenschaften. Während natürliche Fasern wie Baumwolle Atmungsaktivität, Feuchtigkeitsmanagement und biologische Abbaubarkeit bieten, sind synthetische Fasern wie Polyester leistungsstark, langlebig, leicht und recycelbar. Synthetik macht derzeit fast zwei Drittel aller in Textilien verwendeten Fasern aus. Allein Polyester macht 54 % davon aus und verzeichnete in den letzten zwei Jahrzehnten ein anhaltendes Wachstum. Baumwolle, die mengenmäßig zweitgrößte Textilfaser, macht knapp 23 % aus. Die Kluft zwischen natürlichen und synthetischen Fasern ist zu groß, um den Einsatz von synthetischen Fasern einzuschränken; es ist auch unvorstellbar, dass die Modeindustrie nur eine Faserart verwenden wird. Dennoch dreht sich eine der häufigsten Debatten zur Nachhaltigkeit von Textilien um die Frage „Naturfasern vs. Synthetik“. Wir sollten die Verwendung synthetischer Materialien einschränken, da diese aus fossilen Ressourcen gewonnen werden, aber wie bereits erwähnt, ist dies aufgrund der Datenlage unwahrscheinlich. Ehrlich gesagt können wir Natur- und Synthetikfasern nicht als Konkurrenten betrachten; sie existieren nebeneinander. Mischgewebe, insbesondere Polyester-Baumwoll-Mischgewebe, zwei der volumenstärksten Fasern in Textilien, sind ein lebendiges Beispiel für ihre Koexistenz. Was bedeutet Nachhaltigkeit also für Textilien? Glücklicherweise geht es bei Textilien um mehr als nur um ihre Herkunft.
Chancen und Herausforderungen der Nachhaltigkeit im Textilbereich:
Wie begegnen wir den Herausforderungen auf dem Weg zur Klimaneutralität in der Textilindustrie? Welche Chancen bieten sich für eine grünere Zukunft? Nachhaltigkeit in der Textilindustrie muss umfassend betrachtet werden. Neben der Herkunft der Rohstoffe verbraucht die Textilindustrie erhebliche Mengen an Wasser, Energie und eine Vielzahl chemischer Zusätze. Nachhaltige Herstellung, Färbung, Wiederverwendung gebrauchter Textilien und Recycling spielen eine entscheidende Rolle. Lassen Sie uns die verschiedenen Möglichkeiten verstehen und erkunden.
- Verstärkter Einsatz von Naturfasern: Baumwolle ist seit Jahrhunderten die Grundfaser der Textilindustrie. Sie hat ihre Stärken, aber auch ihre Schwächen. Eine sinnvolle Ausweitung der Naturfaserproduktion in naher Zukunft ist sowohl aufgrund von Mengenbeschränkungen als auch aus anderen Gründen schwierig. Es gibt bereits Bedenken und Debatten über die verantwortungsvolle Nutzung von Land und Wasser für die Nahrungsmittelproduktion im Vergleich zur Naturfaserproduktion, um den Bedarf einer wachsenden Bevölkerung zu decken. Bei Bio-Baumwolle, Hanf und anderen Zellulosefasern werden Fortschritte erzielt, und diese müssen fortgesetzt werden.
- Nachhaltige Herstellung: Die Textilverarbeitung ist energieintensiv und erfordert große Mengen Wasser und Chemikalien. Effiziente und schlanke Herstellungsprozesse, die den Energie- und Wasserverbrauch reduzieren, sind entscheidend für die Nachhaltigkeit im Textilbereich und sollten im Fokus stehen. Um ein vollständig nachhaltiges Produkt zu gewährleisten, müssen auch die Nutzung erneuerbarer Energien und die Reduzierung von Treibhausgasen (THG) berücksichtigt werden.
- Nachhaltige Färbung: Farbe ist ein einflussreiches Merkmal von Textilien und ein Katalysator für das Marketing; denken Sie nur an die Modebranche. Derzeit werden Natur- und Synthetikstoffe in konventionellen Färbeverfahren gefärbt. Dabei werden erhebliche Mengen Wasser, Energie und Chemikalien verbraucht. Der Färbeprozess verbraucht fast das gesamte Wasser, das bei der Herstellung von Textilmaterialien verwendet wird. Dadurch steigt auch die Menge an verschmutztem Abwasser, das in das Ökosystem zurückgeführt wird. Durch den Einsatz nachhaltiger Farbstoffe können wir den Wasser- und Energieverbrauch reduzieren und zwei wichtige Aspekte nachhaltigerer Textilien berücksichtigen.
Lösungsfärbung und Digitaldruck:
- Synthetische Fasern wie Polyester können mithilfe eines Lösungsfärbeverfahrens gefärbt werden. Dabei erfolgen Faserspinnen und Färben in einem Schritt, was den Wasserverbrauch reduziert und weniger Energie verbraucht. Darüber hinaus verleiht das Lösungsfärben Textilien verschiedene Qualitäts- und Leistungsmerkmale wie Farbkonsistenz, bessere Farbe und Bleichechtheit. Ein weiteres Plus sind das weichere Tragegefühl im Vergleich zu herkömmlich gefärbten Stoffen und die Möglichkeit, sie mit Funktionalitäten individuell anzupassen. Lösungsfärben ist eine hervorragende Alternative, um Herausforderungen in Bezug auf Wasser, Energie, Abwasserbehandlung und Treibhausgasemissionen zu bewältigen und gleichzeitig eine höhere Leistung zu erzielen. Dieses Verfahren gewinnt zunehmend an Bedeutung und wird zum bevorzugten Verfahren zum Färben von Textilfasern.
- Naturfasern können nicht durch Lösungsfärben gefärbt werden und werden üblicherweise mit konventionellen Färbetechniken gefärbt. Fortschritte bei Färbetechniken, die wenig bis gar kein Wasser oder alternative Medien verwenden, sind ein weiterer Ansatzpunkt für mehr Nachhaltigkeit. Airflow-Färbung und CO2-Färbung sind zwei Fortschritte, die umweltfreundliche Färbemöglichkeiten bieten.
- Der Digitaldruck ist ein weiterer Bereich für nachhaltige Farbgebung, der den dynamischen Anforderungen der Modebranche gerecht wird.
Wiederverwendung und Recycling von Textilien:
- Die Begrenzung der Nutzung natürlicher Ressourcen und nicht erneuerbarer Materialien ist eine der Grundlehren der Nachhaltigkeit. Die Verzögerung des Verbrauchs neuer Rohstoffe trägt zur Schonung der Erdölressourcen bei.
- Derzeit basiert die Herstellung von recycelten Polyesterfasern auf Abfällen aus einer anderen Branche – Altflaschen. In diesem Bereich wurden große Fortschritte erzielt; heute stammen etwa 15 % der Polyesterfasern in Textilien aus Recyclingmaterial. Der Prozess ähnelt eher einer linearen Wirtschaft mit Recyclinganteil, da ein großer Teil der Textilien üblicherweise auf der Mülldeponie landet. Um eine echte Kreislaufwirtschaft in der Textilindustrie zu erreichen, müssen wir diese Lücke schließen. Um den Kreislauf zu schließen, sind größere Anstrengungen erforderlich, um ausrangierte Textilien und Industrieabfälle wiederzuverwenden oder zu recyceln.
- Textilien bestehen oft aus Mischfasern, beispielsweise Polyester/Baumwolle, Polyester/Wolle oder anderen Naturfasern. Das Recycling von Mischtextilien ohne Zerstörung einzelner Komponenten oder nur der größeren Komponente wäre ein großer Schritt in Richtung Nachhaltigkeit. Allerdings ist in diesem Bereich noch weitere Forschung nötig.
Regionale Produktion und Recycling von Textilien:
- Da die Produktion von Kunstfasern und Bekleidung in Asien konzentriert ist und die Endmärkte weit von den Produktionszentren entfernt sind, verbraucht der Transport von Textilien von den Produktionszentren zu den Märkten mehr fossile Brennstoffe und erhöht die Treibhausgasemissionen. Wie können wir dieses Dilemma lösen? Ist es möglich oder überhaupt praktikabel, den Trend umzukehren? Welche Möglichkeiten haben wir? Sind regionale Produktion und Recycling eine Lösung?
3 Cs – Unternehmen, Verbraucher und Gemeinschaften:
- Zurück zu unserem einleitenden Statement: „Nachhaltigkeit! Sie kommt allen zugute und jeder hat seinen Anteil daran.“ Wir alle nutzen natürliche Ressourcen in unserem täglichen Leben, aber wir müssen sie schützen. Maßnahmen wie Wassereinsparung, Energiesparen und Recycling sind wichtige Bereiche, die es zu schonen gilt. Während Unternehmen ihren Teil zur Entwicklung neuer Materialien und nachhaltiger Herstellungsverfahren beitragen, müssen lokale Regierungen und Gemeinden Nachhaltigkeit für ihre Bürger zugänglich machen. Auch Verbraucher müssen sich ihres individuellen CO2-Fußabdrucks bewusst sein und sich aktiv für nachhaltige Produkte und bewährte Verfahren einsetzen. Nachhaltigkeit ist ein schwieriger Weg; die Bemühungen müssen fortgesetzt werden!



